Jazz & Literatur

Zwei Kunst­for­men pas­sen dann gut zu­sam­men, wenn sie sich er­gän­zen, ge­gen­sei­tig in­spi­rie­ren, mit­ein­an­der in den Dia­log tre­ten oder: sich durch­aus auch mal pro­vo­zie­ren. Dafür steht Tho­mas Lutz‘ Tal­king Gui­tar.

Zwei Stim­men be­geg­nen sich auf der Bühne. Die Gi­tar­re will er­zäh­len, sin­gen, tan­zen. Das ge­spro­che­ne Wort nimmt mit auf eine Reise durch die Li­te­ra­tu­ren der Jahr­hun­der­te und der Welt.

Un­ter­hal­tung und An­spruch mit­ein­an­der in Ein­klang zu brin­gen, das ist die Mo­ti­va­ti­on, die Tho­mas und Frie­de­ri­ke Lutz an­treibt, wenn sie ihre Pro­gram­me aus­wäh­len und er­ar­bei­ten.

Tho­mas Lutz bringt mit der Kon­zen­tra­ti­on auf ein In­stru­ment die Gi­tar­re ins Ge­spräch miit der mensch­li­chen Stim­me. „Die Gi­tar­re kann so viel, aber doch spielt sie oft nur eine Ne­ben­rol­le“, er­klärt Tho­mas Lutz seine Mo­ti­va­ti­on zu die­sem An­satz, der der Musik und dem ge­spro­che­nem Wort glei­ches Ge­wicht ver­leiht.

So er­klin­gen Lyrik und Prosa neben, aber auch durch­aus zur Musik. Jazz­ti­tel grei­fen den Rhyth­mus des Tex­tes auf und for­dern oft­mals As­pek­te und Ei­gen­schaf­ten eines Tex­tes her­aus, die nur ge­spro­chen ver­bor­gen blie­ben. Die Musik ist mehr als nur eine schö­ne Be­glei­te­rin der Li­te­ra­tur. Und die Li­te­ra­tur mehr als nur eine in­ter­es­san­te Un­ter­bre­chung der Musik.

Tho­mas Lutz‘ Tal­king Gui­tar steht für die Be­geg­nung von Li­te­ra­tur und Musik. Lyrik und Prosa, Sa­ti­ri­sches, Mo­ra­li­sches oder Un­ter­halt­sa­mes aus der Li­te­ra­tur der Jahr­hun­der­te be­geg­nen dem Jazz und den ei­gen­stän­di­gen Pop- und Rock-Be­ar­bei­tun­gen in hu­mor­voll kam­mer­mu­si­ka­li­scher Ma­nier ohne Ma­rot­ten.

Zur Zeit sind wir mit sechs Pro­gram­men un­ter­wegs.

Flie­gen­de Wör­ter – Ein ly­risch-mu­si­ka­li­scher Streif­zug durch die Welt der Poe­sie
Pre­mie­re am 7. No­vem­ber 2014 bei Ra­vens­Buch in Fried­richs­ha­fen

In­spi­riert vom Ly­rik­ka­len­der „Flie­gen­de Wör­ter“, der jetzt für 2018 im 24. Jahr er­schie­nen ist, ent­fal­tet sich ein ly­risch-poe­ti­sches Mo­sa­ik aus kur­zen Ka­len­der­ge­dich­ten, ge­fun­den in den Poe­si­en der Welt von der An­ti­ke bis zur Ge­gen­wart. Den Rhyth­mus be­stimmt – neben dem Lauf des Jah­res – der Wech­sel zwi­schen Musik und Li­te­ra­tur. Dazu las­sen sich Tho­mas und Frie­de­ri­ke Lutz in­spi­rie­ren, die Texte und Jazz­ti­tel mit­ein­an­der zu kon­fron­tie­ren. So ent­ste­hen ganz neue li­te­ra­ri­sche und mu­si­ka­li­sche Far­ben – wenn etwa Ro­bert Gern­hardts wilde Ab­rech­nung mit der rei­chen Ju­gend, die „Wie­ner An­wand­lung“, auf das Ja­mes-Bond-The­ma ge­spro­chen wird. Oder wenn Edu­ard Mö­ri­kes Klas­si­ker „Um Mit­ter­nacht“ ganz neue Nu­an­cen durch einen un­ter­leg­ten Bossa Nova ge­winnt.

Das Pu­bli­kum re­agier­te nach der Pre­mie­re be­geis­tert über die­sen ganz ei­ge­nen Zu­sam­men­klang von Musik und Lyrik sowie auf die Aus­wahl der Ge­dich­te.

Frie­de­ri­ke Lutz kann seit dem ers­ten Ka­len­der, der 1994 er­schien, kaum den Herbst ab­war­ten, wenn wie­der Ka­len­der­zeit ist. Die un­ge­wöhn­li­che und ein­zig­ar­ti­ge Ge­stal­tung, die die Ge­dich­te aus aller Welt zu Bil­dern wer­den lässt, und die in­di­vi­du­el­le und oft­mals über­ra­schen­de Aus­wahl der Ge­dich­te, die kei­nem Kanon fol­gen, haben sie in­spi­riert, die „Flie­gen­den Wör­ter“ zum Spre­chen zu brin­gen.

„Ein lee­res Glas ge­fällt mir nicht…“ – Jazz und Lyrik wein­se­lig
Pre­mie­re am 11. Ok­to­ber im „Rit­ter“ Laim­nau

Tho­mas Lutz‘ Tal­king Gui­tar und die Re­zi­ta­to­rin und Li­te­ra­tur­lieb­ha­be­rin Frie­de­ri­ke Lutz laden zu einem sin­nen- und ge­nuss­freu­di­gen Abend: „Ein lee­res Glas ge­fällt mir nicht, /
ich will, dass was dar­in­ne“.

„Je­doch wie geist­los – sei’n wir offen! – / wird diese Köst­lich­keit ge­sof­fen!“ Um der von Heinz Er­hardt be­klag­ten Geist­lo­sig­keit zu be­geg­nen, schlägt Frie­de­ri­ke Lutz einen hei­ter-me­lan­cho­li­schen Bogen über die trink­freu­di­ge und –ver­stän­di­ge Li­te­ra­tur der Jahr­hun­der­te.

Die „spi­ri­tu­el­le“ Reise trifft auf einen von Ro­bert Gern­hardt zu­sam­men ge­trom­mel­ten Phi­lo­so­phen­stamm­tisch, be­geg­net mit Storm und Käst­ner dem Ok­to­ber, hört von Scheer­barts „Säu­fer­traum“ mit einem Kamel und schaut in Fritz Ecken­gas Küche vor­bei, in der zwi­schen Wei­ßem und Rotem Fisch und Huhn ver­schmur­geln. Goe­the und Ei­chen­dorff könn­ten durch­aus auch zwi­schen­durch rein­schau­en.

Sto­ries in Jazz

heißt das be­reits mehr­fach be­geis­tert auf­ge­nom­me­ne Pro­gramm, in dem Musik und Texte eine enge Ver­bin­dung ein­ge­hen. Vor der Ku­lis­se be­kann­ter Jazz­ti­tel ent­fal­ten Texte von gro­ßen Män­nern des Jazz, die ihre Sicht auf die Musik des schwar­zen Ame­ri­ka dar­stel­len, ihre Wir­kung. Wyn­ton Mar­sa­lis und Miles Davis ver­tre­ten nicht nur zwei Ge­ne­ra­tio­nen von Mu­si­kern, sie füh­ren auch mit un­ter­schied­li­cher Ri­go­ro­si­tät den Kampf um die An­er­ken­nung des Jazz als ernst­zu­neh­men­der Musik und als Bei­trag Ame­ri­kas zur Welt­kul­tur. Frie­de­ri­ke Lutz trägt im Wech­sel mit den pas­sen­den Ti­teln  die Texte vor und ge­währt damit auch Bli­cke hin­ter die Ku­lis­sen der Musik. Ein li­te­ra­risch-mu­si­ka­li­sches Mit­ein­an­der, das sich ge­gen­sei­tig er­gänzt und Un­ter­hal­tung auf hohem Ni­veau ver­spricht.

Die Schwä­bi­sche Zei­tung schrieb dazu: „Damit schaf­fen es Vor­tra­gen­de und Band, im Wech­sel, eine Span­nungs­kur­ve auf­recht zu er­hal­ten, ein li­te­ra­risch-mu­si­ka­li­sches Wech­sel­spiel zu inszenieren…​Man wech­selt zwi­schen „Night and Day“, dem „Basin Street Blues“, „How high the Moon“ oder „Lulu’s back in Town“. Dabei wird die Ver­an­stal­tung nicht etwa zu einer schul­mä­ßi­gen Ge­schich­te des Jazz. Die ge­lun­ge­ne Ver­bin­dung von Zi­ta­ten und Jazz­mu­sik schafft es viel­mehr, ein wenig vom „Jazz­fee­ling“ vom „Boun­cing“, „Blues“ und „Blue­to­nes“ zu ver­mit­teln.“

Im Re­per­toire von Tho­mas Lutz‘ Tal­king Gui­tar und Li­te­ra­tur sind au­ßer­dem fol­gen­de Pro­gram­me:

Sa­ti­ri­sches mit Ro­bert Gern­hardt (seit Herbst 2011)


“Ich mach mir nichts aus Blas­mu­sik, ich mach mir nichts aus Schach, die Blas­mu­sik macht mir zu­viel, der Schach zu wenig Krach.“

Ro­bert Gern­hardt (ge­stor­ben 2006) war ein Meis­ter der deut­schen Spra­che. All­tags­si­tua­tio­nen wuss­te er ly­risch wie auch in Prosa sa­ti­risch zu über­hö­hen, mit ly­ri­schen For­men aufs Treff­lichs­te zu spie­len, In­halt und Form so zu­sam­men­zu­brin­gen, dass selbst die hoch­mö­gen­de FAZ ihn adeln muss­te. Er konn­te ka­lau­ern und im nächs­ten Mo­ment fein­sin­nig die klas­si­sche Lyrik ver­ball­hor­nen. Es mach­te ihm auch nichts aus, die ei­ge­ne Ge­ne­ra­ti­on der Acht­und­sech­zi­ger kräf­tig durch den Kakao zu zie­hen mit ihren An­sprü­chen und deren Schei­tern an Nich­tig­kei­ten. Er war sich für nichts zu scha­de und tex­te­te für das Sa­ti­re­ma­ga­zin Ti­ta­nic eben­so wie für den Blö­del­bar­den Otto Waal­kes.

  Po­li­tisch-All­zu­mensch­li­ches: Käst­ner, Kraus und Tuchol­s­ky (seit Früh­jahr 2012)

„Das Wort Fa­mi­li­en­ban­de hat einen Bei­ge­schmack von Wahr­heit.“ Mein­te Karl Kraus, der bis­si­ge Jour­na­list der Wei­ma­rer Re­pu­blik, und war da auf seine Art ganz einer Mei­nung mit Kurt Tuchol­s­ky. Und auch Erich Käst­ner, wie die bei­den an­de­ren ein Meis­ter der (spit­zen) Feder, nahm weder für das Ka­ba­rett noch für die Zei­tun­gen ein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging, sei­ner Zeit und ihren Men­schen einen sa­ti­ri­schen und bis­wei­len bis­sig­bö­sen Spie­gel vor­zu­hal­ten.

Diese drei Gro­ßen der Sa­ti­re ste­hen im Zen­trum die­ses Pro­gramms, das Po­li­ti­sches, Ge­sell­schaft­li­ches, All­täg­li­ches in meh­re­ren Ka­pi­teln lust­voll auf die Schüp­pe nimmt. Ein ver­gnüg­li­cher Abend, der einem manch­mal auch den Atem sto­cken lässt.

Krat­zer auf der Christ­baum­ku­gel – Sa­ti­risch-Nach­den­kens­wer­tes zum Fest (seit De­zem­ber 2012)

Na, das kann ja ein hei­te­res Fest wer­den: gleich vier Jah­res­end­ge­stal­ten schickt Ro­bert Gern­hardt zu einer wohl si­tu­ier­ten Dah­le­mer Fa­mi­lie mit zwei Kin­dern. Po­li­tisch ganz kor­rekt nach Tul­chol­s­ky‘scher Ma­nier ver­tei­digt ein Engel die Ent­schei­dung des HERRN,  zwei Weih­nachts­män­ner in die­sem Jahr aktiv sein zu las­sen. Mild­tä­tig zer­legt die Förs­te­rin am Ni­ko­laus­abend ihren Gat­ten à la Lo­ri­ot und  er­lebt Axel Hacke den ex­tra­ter­res­tri­schen Hor­ror im Elek­tro­kauf­haus. Frohe Weih­nach­ten also!

Wenn dann zu die­sem nost­al­gisch-sa­ti­ri­schen Li­te­ra­tur­pro­gramm Tho­mas Lutz‘ Gi­tar­re iro­nisch den Sand­mann bit­tet, einen Traum zu schi­cken, „Apa­ches“ Gäule ga­lop­pie­ren lässt oder lä­chelnd ver­kün­det, dass Lulu wie­der in der Stadt ist, dann ver­spricht die Mi­schung aus Text und Musik ei­ni­ge Über­ra­schun­gen. Gemäß dem Motto „Krat­zer auf der Christ­baum­ku­gel“ knirscht hier nicht nur der Schnee.

Der Süd­ku­rier schrieb dazu:

„Ach, ist das schön! Und schön, wie dem Ad­vent­li­chen wie­der eins über­ge­bra­ten wird (…) Lo­ri­ot und Käst­ner, Tuchol­s­ky und Ro­sen­lö­cher liest Frie­de­ri­ke Lutz so, wie man auch Kin­der in den Bann zieht: mit einer Dra­ma­tik, die in der An­deu­tung bleibt und nie alles gibt. Die Mut­ter der Au­to­ri­tät ist immer noch die Selbst­dis­zi­plin. (…) Zahn­los ist an­ders.“

Musik und Li­te­ra­tur er­klan­gen unter an­de­rem im Münz­hof Lan­genar­gen, in der Zep­pe­lin Uni­ver­si­tät Fried­richs­ha­fen, im Dor­nier Mu­se­um Fried­richs­ha­fen, im Gast­hof „Rit­ter“ in Laim­nau, im Foyer des Kur­saals Über­lin­gen, im Kul­tur­haus Ca­ser­ne Fried­richs­ha­fen und im Café am Schloss Wol­fegg. Im Juli 2014 waren wiir zu Gast in der Pa­sin­ger Fa­brik Mün­chen.